Azubibericht der Zimmerer-Innung Landsberg

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Eva Weyer ist 18 Jahre alt und im 2. Lehrjahr. Sie macht ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb. Wir treffen sie auf einer Baustelle, wo sie mit einigen Kollegen gerade auf dem Dachstuhl eines Einfamilienhauses arbeitet.

Eva, warum hast Du Dich für eine Ausbildung zur Zimmerin entschieden?

Ich hatte in den Ferien immer wieder im elterlichen Betrieb mitgearbeitet und hatte von daher schon einen guten Einblick, was es bedeutet als Zimmerin zu arbeiten. Meine Eltern haben bei der Berufswahl keinerlei Druck auf mich ausgeübt, aber mir hat das Zimmererhandwerk einfach gut gefallen. Es ist sehr abwechslungsreich und auch der Arbeitsplatz ist jeden Tag ein anderer. Selbst wenn man auf der gleichen Baustelle ist, sieht die jeden Tag anders aus. Zudem tut mir die viele Bewegung an der frischen Luft gut. Und vor allem: Am Ende des Tages sehe ich, was ich gemacht habe. Und das wird ja immer mehr. Mir geht es jetzt schon so, dass wenn ich bei uns in der Gegend rumfahre, ständig an Gebäuden vorbeikomme, wo ich mitgearbeitet habe, wo ich sagen kann: Dies und das habe ich gemacht.

Ist es gut, die Ausbildung im elterlichen Betrieb zu machen?

Da wir während der Ausbildung sehr viel Zeit in der Berufsschule verbringen, dachte ich, dass es egal ist, wo ich meine Ausbildungsjahre verbringe. Aber hinterher möchte ich auf alle Fälle etwas anderes kennenlernen, zu einem anderen Holzbaubetrieb gehen und dort für einige Jahre arbeiten. Ich denke, das ist sinnvoll und wichtig. Früher war es ja sogar üblich, dass Gesellen drei Jahre und einen Tag auf die Walz zu gehen. Sie sollten ihren Horizont erweitern, viel Neues kennenlernen, keine Routine entwickeln, wach und neugierig bleiben. Auf der Walz gewesen zu sein war früher sogar eine Voraussetzung, um die Meisterprüfung ablegen zu können.

Gibt es die Walz eigentlich heute noch?

Ja, aber rein freiwillig und mehr aus einer gewissen Traditionspflege und Abenteuerlust. Reizvoll ist das schon, aber ich mache das wahrscheinlich nicht.

Wie viele Frauen üben eigentlich heute das Zimmererhandwerk aus?

Nur sehr wenige.

Woran liegt das? Ist der Beruf für Frauen nicht geeignet?

Doch, aber es gibt da viele Vorurteile. Die Arbeit ist aber bei weitem nicht so anstrengend wie befürchtet. Natürlich hatte ich vorher auch meine Zweifel, aber die wurden eher von außen an mich herangetragen und deckten sich nicht mit meinen Erfahrungen. Klar braucht man ein gewisses Maß an Kraft, aber die kommt mit der Zeit von selbst. Und Kraft ist heute gar nicht mehr so wichtig wie früher, denn wir haben ja überall technische Hilfsmittel und arbeiten auch nicht als Einzelkämpfer, sondern im Team. Mindestens genauso wichtig sind Geschicklichkeit und die Fähigkeit, das Erlernte zum Lösen immer wieder neuer Aufgaben kreativ anzuwenden.

Das Leben auf den Baustellen ist aber doch ziemlich rau, oder?

Da gewöhnt man sich dran. Allzu pingelig darf man natürlich nicht sein. Und mit lackierten Fingernägeln braucht man hier nicht erscheinen. Das habe ich am Anfang mal gemacht, dann aber gleich wieder sein lassen, denn die gehen sofort kaputt. Statt gestylter Fingernägel habe ich hier aber viel körperliche Bewegung und muss abends nicht mehr ins Fitnessstudio.

Was hat Euer Betrieb denn für Tätigkeitsschwerpunkte?

Wir machen vor allem viele Dächer: komplette Dachstühle bei Neubauten so wie hier und Dachsanierungen bei Altbauten. Ab und zu auch ganze Holzhäuser. Die sind zurzeit im Kommen. Da stieg die Nachfrage die letzten Jahre spürbar an. Und zwischendrin machen wir auch viele kleinere Projekte: Tore, Zäune, Carports, Buswartehäuschen, Pergolen, Wintergärten, Balkone, Vordächer.

Gerade montiert ihr hier zwei Dachgauben. Die kamen schon fertig hier an.

Die haben wir in unserer Halle vorgefertigt. So präzise, dass sie jetzt hier genau zwischen die Sparren passen. So eine Gaube ist ja recht kompliziert und deshalb zeitaufwendig. In der Halle lässt sich die viel besser herstellen als auf der Baustelle. Da sind wir auch unabhängig vom Wetter. Bei starkem Regen können wir schlecht arbeiten, denn das Holz muss ja einigermaßen trocken bleiben. Deshalb wäre es am sinnvollsten, Regentage zu nutzen, um in der Halle vorzuarbeiten, und die eigentliche Baustellenarbeit schnell durchzuziehen. Aber die Termine, die wir einhalten müssen, sind oft so, dass wir in der Halle vorarbeiten, auch wenn es nicht regnet.

Welche Rolle spielt das energieeffiziente Bauen bei Euch?

Das wird zunehmend wichtiger. Im Holzhausbau wünschen Bauherren immer öfter Passivhäuser oder zumindest Niedrigenergiehäuser. Und bei unseren Dachsanierungen geht es nicht nur darum, undichte Dächer wieder dicht zu machen, sondern vor allem auch darum, bisher ungedämmte Dächer zu dämmen. Wir füllen die Räume zwischen den Sparren mit Wärmedämmung. Und wenn wir das Dach sowieso abdecken mussten, kommt meist auch oberhalb der Sparren noch eine zusätzliche Schicht Wärmedämmung drauf.

Eva, herzlichen Dank für das Gespräch.

Ausbildungsbetrieb:
Weyer Holzbau
Urspringer Weg 1, 97849 Roden-Ansbach
Unterfranken, Landkreis Main-Spessart
www.weyer-holzbau.de
Mitarbeiter: 20
Auszubildende: 5

Azubi:
Eva Weyer
Gymnasium
evaweyer@web.de